Dai-Seishi Bosatsu, goldene buddhistische Statue aus dem Museum für asiatische Kunst Berlin

DFG-Projekt · Buddhismus im Westen

Buddhismus

Erkenntnispraxis – Beziehung – Verantwortung

Zu den Publikationen

Dai-Seishi Bosatsu (Foto: Museum für asiatische Kunst, Berlin | Sara Vogd-Sanchez)

Forschungen zur Verkörperung buddhistischer Praxis, zu Habitustransformationen, Lehrer-Schüler-Beziehungen und zur Frage, wie westliche Praktizierende buddhistische Übungswege in moderne Lebensformen übersetzen.

Mitten ins Leben – Frieden finden mit Vipassana-Meditation Die Praxis der Leere Der ermächtigte Meister

Buddhismus im Westen

Anders als in den traditionellen buddhistischen Ländern reproduziert sich der westliche Buddhismus nicht primär in mönchischen Kontexten, sondern vor allem als Laienbewegung. Er trifft dabei auf eine hochgradig individualisierte und funktional ausdifferenzierte Gesellschaft, deren Wert- und Sinnhorizonte nicht mehr selbstverständlich in übergreifende moralische oder kosmologische Ordnungen eingebettet sind.

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studien zu Buddhismus im Westen setzen genau an dieser Spannung an. Sie fragen nicht nur danach, welche Lehren übernommen werden, sondern was Menschen in entwickelten westlichen Gesellschaften tatsächlich tun, wenn sie sich langfristig auf einen buddhistischen Praxisweg verpflichten: Wie werden Meditation, Ethik, Lehrer-Schüler-Beziehungen, Gemeinschaftsformen und biografische Selbstdeutungen praktisch realisiert? Und auf welche Weise lassen sich diese Übungswege mit modernen Lebensformen, beruflichen Anforderungen, Partnerschaft, Familie und individualisierten Sinnentwürfen verbinden?

Während mittlerweile zahlreiche Untersuchungen zum Phänomen des sogenannten westlichen Buddhismus vorliegen, gibt es vergleichsweise wenige Studien, die die langfristige Einbindung in buddhistische Schulungswege empirisch rekonstruieren. Das Projekt widmete sich deshalb sechs Schulungswegen im deutschsprachigen Raum und untersuchte sie in Hinblick auf ihre Institutionalisierung sowie auf die spezifischen Praxisformen ihrer Adeptinnen und Adepten.

Im Sinne einer mehrfach komparativen Analyse wurden sowohl Entwicklungsdimensionen berücksichtigt – von Novizinnen und Novizen über mäßig und existenziell engagierte Schülerinnen und Schüler bis hin zu Langzeitpraktizierenden – als auch unterschiedliche Traditionen einbezogen: jeweils zwei Schulen aus dem tibetischen Buddhismus, dem Zen-Buddhismus und dem Theravāda-Buddhismus beziehungsweise Vipassana-Kontext. Die Untersuchung verbindet rekonstruktive Sozialforschung, praxistheoretische Soziologie und Kontexturanalyse.

Entgegen der üblichen Selbststilisierung erfahrungsorientierter Spiritualität betrachtet das Projekt buddhistische Erkenntnispraxis als ein zugleich gemeinschaftlich, institutionell und gesellschaftlich eingebettetes Phänomen. Im Mittelpunkt stehen damit nicht abstrakte Glaubenssätze, sondern verkörperte Übung, soziale Rahmung, Autorität, Charisma, Grenzverletzungen, Reflexion und die Transformation von Wahrnehmungs- und Lebensformen.

Buchpublikationen

Cover Mitten ins Leben

Mitten ins Leben

Frieden finden mit Vipassana-Meditation. Mit Dunja Batarilo.

Cover Die Praxis der Leere

Die Praxis der Leere

Zur Verkörperung buddhistischer Lehren in Erleben, Reflexion und Lehrer-Schüler-Beziehung. Mit Jonathan Harth.

Cover Der ermächtigte Meister

Der ermächtigte Meister

Eine systemische Rekonstruktion am Beispiel des Skandals um Sogyal Rinpoche.

Cover Welten ohne Grund

Welten ohne Grund

Buddhismus, Sinn und Konstruktion.

Cover Adaptionen des tibetischen Buddhismus

Adaptionen des tibetischen Buddhismus

Ulrike Selma Ofner: Rekonstruktion der Erfahrungen von Diamantweg- und Rigpa-Praktizierenden.

Buddhismus-relevante Publikationen

Auswahl einschlägiger Arbeiten zu Buddhismus, westlichem Buddhismus, Vipassana, buddhistischer Praxis, Lehrer-Schüler-Beziehungen und verwandten Projektpublikationen.

Bücher

  1. Vogd, Werner / Batarilo, Dunja (2022): Mitten im Leben – Frieden mit Vipassana-Meditation. Heidelberg: Carl-Auer.
  2. Vogd, Werner (2019): Der ermächtigte Meister – eine systemische Rekonstruktion am Beispiel des Skandals um Sogyal Rinpoche. Heidelberg: Carl-Auer.
  3. Vogd, Werner / Harth, Jonathan (2015): Die Praxis der Leere. Zur Verkörperung buddhistischer Lehren in Erleben, Reflexion und Lehrer-Schüler-Beziehung. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.
  4. Vogd, Werner (2014): Welten ohne Grund. Buddhismus, Sinn und Konstruktion. Heidelberg: Carl-Auer.
  5. Vogd, Werner (1996): Radikaler Konstruktivismus und Theravada-Buddhismus: Ein systematischer Vergleich in Erkenntnistheorie und Ethik. Ulmer Kulturanthropologische Schriften, Band 7, Ulm.

Artikel

Buddhismus Aktuell

  1. Vogd, Werner (2026): „WARUM … die Antwort auf Krisenzeiten jenseits von Hoffnung und Furcht liegt.“ BUDDHISMUS AKTUELL, 1/2026.
  2. Vogd, Werner (2024): „Haben ChatGPT und Androiden Buddha-Natur?“ BUDDHISMUS AKTUELL, 3/2024.
  3. Vogd, Werner (2023): „Warum … einer Arte-Dokumentation über Missbrauch die angestrebte Aufklärung nicht gelingt.“ BUDDHISMUS AKTUELL, 2023/1.
  4. Vogd, Werner (2020): „Eine Bodhisattva flieht nicht. Sie stellt sich dem Leiden, verurteilt nicht und handelt.“ BUDDHISMUS AKTUELL, Diversity 2020/2.
  5. Vogd, Werner (2019): „Liebe heißt sehen, dass auch der Meister fehlbar ist. Interview mit Susanne Billig.“ BUDDHISMUS AKTUELL, 2019/3.

Tricycle

  1. Vogd, Werner (2020): “Becoming Whole – Healing in the wake of systemic abuse means seeing our teachers—and ourselves—clearly and with compassion.” Interview with Werner Vogd by Susanne Billig. Tricycle, Summer 2020.

Weitere Artikel

  1. Vogd, Werner (1998): Befreiung der Persönlichkeit ohne Persönlichkeit. Entwicklungsstadien auf dem Befreiungsweg des Theravada-Buddhismus. Ethnopsychologische Mitteilungen, 7(1), S. 99–117.
  2. Vogd, Werner (1997): Vipassana: Annäherung an ein westliches Verstehen des buddhistischen Erkenntnisweges. Ethnopsychologische Mitteilungen, 6(2), S. 107–131.

Peer Review

  1. Vogd, Werner / Harth, Jonathan (2021): A Demonstration of Contextural Analysis, a Methodology for Reconstructing Polycontextural Configurations, Taking Interviews on Boundary Violations in Teacher-Student Relationships in Tibetan Buddhism as an Example [89 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 20(1). Link/Download
  2. Vogd, Werner / Harth, Jonathan (2019): Relational Phenomenology. Individual experience and social meaning in Buddhist meditation. Journal of Consciousness Studies, 26(7), S. 238–267.
  3. Vogd, Werner / Harth, Jonathan (2019): Kontexturanalyse: eine Methodologie zur Rekonstruktion polykontexturaler Zusammenhänge, vorgeführt am Beispiel der Transgression in der Lehrer/in-Schüler/in-Beziehung im tibetischen Buddhismus. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 20(1), Art. 21.
  4. Vogd, Werner / Harth, Jonathan / Ofner, Ulrike (2017): Doing Religion in Phowa Courses: Studies on Praxeology and the Logic of Reflection in Courses on "Conscious Dying" in Diamond Way Buddhism [126 paragraphs]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 16(3), Art. 17.
  5. Vogd, Werner / Harth, Jonathan / Ofner, Ulrike (2015): Doing religion im Phowa-Kurs: Praxeologische und reflexionslogische Studien zum "bewussten Sterben" im Diamantweg-Buddhismus [125 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 16(3), Art. 17, Download.
  6. Vogd, Werner (2016): Wozu achtsam sein und worauf die Achtsamkeit lenken? KONTEXT – Zeitschrift für Systemische Therapie und Familientherapie, 47(1), S. 354–364. Link
  7. Vogd, Werner (2016): Genau: Heilung von den Sinnzumutungen, die mit dem Ich verwechselt werden? KONTEXT – Zeitschrift für Systemische Therapie und Familientherapie, 47(1), S. 370–376.
  8. Vogd, Werner (1999): Dekonstruktion von Religion zum Life-Style oder neue Religiosität? Eine kritische Studie zur Rezeption des Buddhismus im Westen. Zeitschrift für Religionswissenschaft, 7, S. 205–226.
  9. Vogd, Werner (1997): Erfahrung der Bodenlosigkeit – existenzielle Depression und Liebe: Das Paradoxon der Selbsterkenntnis. Zeitschrift für systemische Therapie, 15(2), S. 112–122.

Buchbeiträge und Lexikoneinträge

  1. Vogd, Werner (2025): Body and Social Relations. A Buddhist Perspective. In: E. K. Harris / A. Nehring / P. Schmidt-Leukel (Hrsg.), On the Body. Buddhist Christian Dialogues, S. 161–181. St. Ottilien: EOS.
  2. Vogd, Werner (2015): Buddhistische Praxis und Sprache. In: Alexander Lasch / Wolf-Andreas Liebert (Hrsg.), Handbuch Sprache in der Religion. Berlin: De Gruyter.
  3. Vogd, Werner (2013): Constructivism and Buddhism. In: Anne Runehov / Lluis Oviedo / Nina Azari (Hrsg.), Encyclopedia of Sciences and Religions. Berlin/Heidelberg/New York: Springer.